Autor: Inge Patsch

  • Social Business Typen

    Social Business Typen

    Während meiner Arbeit mit Start-ups habe ich zwei unterschiedliche Herangehensweisen bei der Entwicklung eines Geschäftsplans für ein Social Business beobachtet. Die eine Gruppe folgt einem traditionellen Ansatz und legt den Fokus auf wirtschaftliche Abläufe. Dabei besteht die Gefahr, den eigentlichen gemeinwohlorientierten Zweck der Organisation aus den Augen zu verlieren. Geschäftspläne dieser Art sind oft detailliert ausgearbeitet in Bezug auf Produktionsprozesse, Produkte und Marketingstrategien. Allerdings fehlt häufig eine kritische Auseinandersetzung mit den tiefgreifenden sozialen Auswirkungen. Wenn die komplexen Beziehungen zwischen Menschen auf rein ökonomische Transaktionen reduziert werden, wird das Veränderungspotential, das ein Social Business bieten kann, stark eingeschränkt.

    Die andere Gruppe von Gründern setzt sich von Anfang an intensiv mit der Komplexität eines Social Business auseinander. Diese Gruppe riskiert jedoch, von den vielfältigen Anforderungen überwältigt zu werden: demokratische Arbeitsplatzgestaltung, cradle-to-cradle Produktionsprozesse, sozialverträgliche Preisgestaltung, umweltfreundliche Distributionskanäle und vieles mehr. Der Versuch, all dies zu Beginn mit einem finanziell stabilen Budget und oft begrenzten Ressourcen abzudecken, führt häufig zu einem Realitätsschock und kann zu Demotivation führen.

    Warum hilft es die Social Business Typen zu kennen?

    Die Definition von Social Business Typen kann beiden Gruppen von Gründern dabei helfen, die Komplexität in jeder Phase der Gründung zu bewältigen. Diese Kategorisierung unterstützt dabei, sich auf die wesentlichen Aspekte des zugrunde liegenden sozialen Problems zu konzentrieren und zeigt auf, in welchen Bereichen ein Social Business von Anfang an exzellent sein sollte, um als solches anerkannt zu werden. Gleichzeitig hilft das Wissen um den eigenen Social Business Typ dabei, Bereiche zu identifizieren, in denen nachhaltigeres Verhalten zwar wünschenswert, aber nicht zwingend notwendig ist, um die gewünschte Veränderung zu erreichen.

    Basierend auf der Theorie der Gemeinwohlökonomie, die sich auf Berührungsgruppen fokussiert, sowie Kim Alter’s Social Enterprise Typology, habe ich ein leicht verständliches Gerüst von fünf Social Business Typen entwickelt. Diese fünf Social Business Typen, die im Folgenden beschrieben werden, sind alle im B2B-Bereich angesiedelt und definieren sich in erster Linie durch die Zielgruppen, auf die sie ihre Bemühungen fokussieren. Ein Social Business ist laut vielen Autoren (wie Yunus und Alter) in erster Linie missionszentriert. Das bedeutet, dass das Hauptziel darin besteht, die Situation einer bestimmten sozialen Gruppe zu verbessern, die ich hier als Begünstigte bezeichnen möchte. Der primäre Unterschied zwischen den Social Business Typen liegt also in der Art und Weise, wie diese Begünstigten in die Prozesse der Organisation eingebunden werden oder, in den Worten der Gemeinwohlökonomie, welcher Berührungsgruppe die Begünstigten im (zukünftigen) Social Business angehören.

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    Typ A – kundenorientiertes Social Business

    Social Business Typ A - Kundenorientiert

    Der erste Type, Typ A kundenorientiertes Social Business fokussiert sich auf eine Zielgruppe, welche die von der Organisation produzierten Produkte oder Dienstleistungen benutzt. in Anspruch nimmt oder in anderer Form konsumiert. Diese Gruppe, welche ich der Einfachheit halber im folgenden Kunden nenne, wird nicht nur direkt durch den Konsum des Produktes beeinflusst, sondern auch indirekt darüber, wann, wo und in welcher Form sie Zugang zu diesen Produkten und Dienstleistungen haben, wie diese ggf. verpackt sind und ob die Verpackung wieder zurückgegeben werden kann, ob dieses Produkt fundamentale Bedürfnisse befriedigt und in wie fern der Konsum dessen, einen nachhaltigen und gesunden Lebensstil fördert.

    Der Fokus liegt auf der Gerechtigkeit bzw. den Personen, also auf dem sozialen Aspekt, der eine intakte Umwelt benötigt und wiederum Grundlage für ökonomische Nachhaltigkeit ist.

    Zusammengefasst: in einem kundenorientierten Social Business ist das Ziel, dass man durch die Zurverfügungstellung von Produkten oder Dienstleistungen einen positiven Einfluss auf die Lebenssituation der Kunden (oder dessen Familienangehörigen im Falle von Kindern etwa) hat oder deren Probleme verringert oder löst. Vor allem im globalen Süden sind in einem solchen Social Business die Kunden oft aus einkommensschwachen Gruppen und Ziel der Organisation ist es, diese Familien bei einer grundlegenden Bedürfnisbefriedigung zu unterstützen. Das Thema Bedürfnisbefriedigung und grundlegende menschliche Bedürfnisse beschreibt Max-Neef mit seinem Ansatz zu den grundlegenden menschlichen Bedürfnissen sehr gut.

    Ein Typ A Social Business bezieht sich dabei auf die soziale Dimension von Nachhaltigkeit macht diese soziale Dimension zum Kernelement ihres Wesens.

    Typ B – mitarbeiterorientierte Social Business

    Der zweite Typ, Typ B mitarbeiterorientiertes Social Business, fokussiert sich auf die Angestellten, Arbeiter und bis zu einem gewissen Grad auch die arbeitenden Gesellschafter oder Genossenschafter einer Organisation. Kurz gesagt, jeder der seinen Lebensunterhalt damit verdient seine Arbeitszeit und Arbeitskraft (nicht das Produkt seiner Arbeit, das wäre dann Typ C) dem entsprechenden Social Business zur Verfügung zu stellen. Die (positiven) Auswirkungen eines Social Business lassen sich dabei nicht auf die finanziellen Transaktionen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer reduzieren sondern konstituieren sich auch über die Gestaltung der Arbeitszeit, der möglichen Einbindung in Entscheidungsprozesse, der Arbeitsplatzsicherheit (im doppelten Bedeutungsinn), durch Ausbildungsmöglichkeiten und vielem mehr.

    Während Typ A Social Businesses die Zielgruppe also über den Verkauf von Produkten an diese erreichen möchte, probiert ein Typ B Social Business deren Lebenslage über deren Anstellung zu verbessern. Dies bedeutet nicht, dass jede Organisation, die jemanden anstellt, automatisch ein Typ B Social Business ist. Um zu argumentieren, dass ein Social Business ein Typ B Social Business ist, sollte man etwa Gruppen einstellen, die ansonsten schwer eine Anstellung finden würden oder die Mitarbeiter in einem weit über dem sektoralen Standard liegender Weise in Entscheidungsprozesse sowie Gewinnverteilung einbinden. Oft wenn wir von ersterem Ansatz ausgehen, muss man davon ausgehen, dass man die Geschäftsprozesse entsprechend auf die Anforderungen der Arbeitnehmer anpassen muss, wie etwa spezielle Trainings einzuplanen (im Falle von unterqualifizierten Arbeitskräften) oder Arbeitszeiten oder den Arbeitsplatz auf deren Bedürfnisse anpassen muss (z.B. wenn man sich auf etwa alleinerziehende Frauen oder sehbehinderte Menschen einbindet).

    Ein Typ B Social Business bezieht sich dabei wie Type A auf die soziale Dimension von Nachhaltigkeit.

    Typ C – lieferantenorientiertes Social Business

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    Dieser dritten Gruppe von Social Businesses gehören all die Organisationen an, deren Fokus auf der Verbesserung der Lage der Lieferanten von Rohmaterialien, Produkten oder Dienstleistungen liegt. Auch hier ist nicht jedes Unternehmen, das Güter oder Dienstleistungen von Lieferanten bezieht, automatisch ein Typ C Social Business. Ähnlich wie beim mitarbeiterorientierten Social Business zeichnet sich ein solches Social Business dadurch aus, dass es mit gefährdeten oder nicht so starken Zielgruppen arbeitet, also Kleinbauern oder anderen Kleinbetrieben, die auf Grund ihrer Größe oftmals nicht so wettbewerbsfähig und damit gefährdet sind, von größen Abnehmern ausgebeutet zu werden. Eine Unterkatorie sind Social Businesses die zwar mit größeren Lieferanten arbeiten, welche aber wiederum solche benachteiligte Gruppen anstellen. In beiden Fällen sollte ein Social Business dieses Typs sich durch Standards auszeichnen, welche klar über dem des Sektors liegen und darüber hinaus eine engere Lieferantenbeziehung zeigen als ein normaler Betrieb.

    Die erste Gruppe von Typ C Social Businesses beschäftigt sich vor allem mit der sozialen Situation der Kleinlieferanten (Kleinbauern) und pflegt über bessere Vernetzung, Trainings und ähnliche Maßnahmen mit diesen einen weit über die finanziellen Transaktionen hinausgehenden Kontakt. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass diese Kategorie in den wirtschaftlich weniger entwickelten Ländern des globalen Südens dominiert , wo es viele Kleinstbauern ohne das notwendige kaufmännische Know-How gibt. Die zweite Kategorie, welche man überwiegend in den Industriestaaten findet, sind Produktionsbetriebe, welche es sich zur Aufgabe gemacht haben, handelsübliche Güter sozial und ökologisch nachhaltiger zu produzieren. Bei dieser Kategorie kommt es oft zu einer Mischform zwischen Type C und Typ D Social Business.

    Typ C Social Businesses fokussieren sich auf die soziale sowie die ökologische Dimension von Nachhaltigkeit von den Lieferanten, wobei vor allem bei der ersten Kategorie der Fokus auf soziale Aspekte überwiegt.

    Typ D – ökologisch orientiertes Social Business

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    Die vierte Gruppe von Social Businesses lässt sich weniger über eine partikuläre Personengruppe definieren, sondern darüber, dass ökologische Aspekte im Vordergrund liegen und damit alle von einer gesünderen Umwelt bzw. weniger Umweltverschmutzung profitieren.

    Einige Social Businesses dieses Types könnte man damit beschreiben, dass diese an der Basis angesiedelt sind. Deren Ansatz ist es eine höhere Umweltfreundlichkeit dadurch zu erreichen, zurück zum Ursprung zu gehen: Insgesamt weniger und wenn dann vermehrt lokale und saisonale Rohstoffe (lokale produzierte Kekse des Bäckers eher als industriell gefertigt, Repair-Cafés) oder überhaupt gleich neue und nachhaltigere Geschäftsmodelle zu entwickln (wie etwa die Idee von Foodcoops als Alternative zum Supermarktgemüse).

    Wieder andere Typ D Social Businesses setzen bei ihren Lösungen zu höherer Umweltfreundlichkeit auf Technologie. Einige arbeiten daran die Ressourcen mittels Internetplattformen besser zu verteilen und effizienter zu nutzen (z.B. sharing plattformen) während wieder andere neuen Maschinen oder Werkzeuge erfinden, um die oftmals unnachhaltigen Mechanismen der dominanten Wirtschaft zu umgehen (Fairphone oder  Livin Farms).

    Der Fokus liegt auf der Umwelt bzw. dem Planten, welche die Grundlage für Nachhaltigkeit auf anderen Ebenen ist

    Während die anderen vier Typen von Social Businesses sich auf den sozialen Aspekt der Nachhaltigkeit fokussieren (vgl Ayers), fokussiert sich dieser Typus von Social Business in erster Linie auf die Umwelt bzw. den Planeten. Ressourcenschonendere Produktionen, Vermeidung von Abfall und ein Vorantreiben von nachhaltigen Lebensstilen, welche den ökologischen Fußabdruck der Kunden verringern, stehen im Vordergrund bei solchen Organisationen.

    In der Praxis sind viele umweltorientierte Social Businesses oft Mischtypen in denen eine Kundenorientierung (Type A) oder etwa eine Lieferantenorientierung (Typ C) mit den ökologischen Aspekten kombiniert wird.

    Typ E – gemeinwohlorientiertes Social Business (oder subventionsorientierte Social Businesses)

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    Diese letzte Gruppe bezieht sich auf Social Businesses, welche die intendierte Zielgruppe nicht in den normalen Geschäftsprozess einbinden können oder wollen, aber sich in einer Notsituation befinden und Zugang zu sozialen Dienstleistungen oder bestimmten Gütern brauchen. Diese Gruppen zeichnen sich oft dadurch aus, dass sie weder über Kaufkraft noch über Arbeitskraft verfügen, mit welcher sie an dem Prokutions- oder Konsumzyklus teilnehmen könnten, wie etwa Kinder oder körperlich stark behinderte Personen.

    Bei einem Type E Social Business wird ein profitabler (aber natürlich ökologisch und sozial verträglicher) Betrieb etabliert (z.B. ein Restaurant) und betrieben. Die monatlichen Profite werden zur Gänze (!) in (Re-)Investitionen in den Betrieb sowie die Querfinanzierung von sozialen Aktivitäten gesteckt. Transparenz und demokratische Strukturen, die sicherstellen, dass die Gelder fair eingesetzt werden, sind das A und O eines solche gemeinwohlorientierten Social Business. Dieses Geschäftsmodell findet sich vermehrt in den Ländern, in denen es keinen Wohlfahrtsstaat oder ähnliche sozialdemokratische Einrichtungen gibt, die solche Aufgaben über Umverteilung von Ressourcen abdecken. Aber auch Patagonia verwendet dieses Modell

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  • Systemisches Denken für Changemaker | Ganzheitlich wirksam handeln

    Systemisches Denken für Changemaker | Ganzheitlich wirksam handeln

    Der Blick fürs große Ganze

    Viele Menschen, die sich sozial engagieren, starten mit einem klaren Anliegen. Ein Thema, das sie bewegt. Ein Problem, das sie angehen wollen. Doch je tiefer sie einsteigen, desto deutlicher wird: Es bleibt nicht bei diesem einen Problem. Alles hängt miteinander zusammen. Systemisches Denken für Changemaker hilf Sinn in diese Durcheinander zu bringen.

    Wer sich zum Beispiel für den Erhalt der Artenvielfalt engagiert, stößt schnell auf den Klimawandel. Der wiederum ist eng verknüpft mit Wasserkreisläufen, die durch Bebauung und Infrastrukturprojekte gefährdet werden. Diese wiederum stehen in Zusammenhang mit Tourismus, Wirtschaftspolitik und globalen Konsumgewohnheiten. Die Verflechtungen nehmen zu, je tiefer man blickt.

    Die Folge: Überforderung. Orientierungslosigkeit. Verzettelung.

    Doch es gibt eine Denkweise, die in dieser Komplexität nicht verloren geht, sondern darin Orientierung findet: systemisches Denken.


    Warum systemisches Denken heute so wichtig ist

    Systemisches Denken bedeutet, Zusammenhänge zu erkennen, Muster zu verstehen und den Blick auf das Ganze zu richten. Es geht nicht darum, alles zu vereinfachen – sondern darum, die richtige Komplexität zuzulassen, um klügere Entscheidungen zu treffen.

    Ein kraftvoller Rahmen hierfür ist das Projekt The Wicked7. Es identifiziert sieben grundlegende, miteinander verflochtene Problemfelder, die in vielen gesellschaftlichen Herausforderungen mitwirken:

    1. Das Sterben der Natur
    2. Ungleichheit
    3. Hass und Konflikte
    4. Machtmissbrauch und Korruption
    5. Arbeit und Technologie
    6. Gesundheit und Lebensgrundlagen
    7. Bevölkerung und Migration

    Diese Probleme sind nicht unabhängig voneinander – sie bedingen sich gegenseitig. Wer sich einem dieser Felder widmet, trifft fast immer auch auf die anderen. Und genau deshalb ist systemisches Denken so essenziell.


    Wie unterscheidet sich systemisches Denken vom klassischen Denken?

    In klassischen Problemlösungsansätzen verläuft die Logik meist linear: Ein Problem wird identifiziert, eine Ursache benannt, eine Lösung entwickelt. Doch bei komplexen sozialen und ökologischen Herausforderungen reicht das nicht aus. Hier ist eine andere Denkweise gefragt.

    Systemisches Denken unterscheidet sich vor allem in vier zentralen Punkten:

    1. Emergenz statt Silodenken
    Systeme entwickeln sich gemeinsam. Ein Bildungssystem beeinflusst ein Wirtschaftssystem. Eine Gesundheitskrise wirkt sich auf politische Stabilität aus. Die Trennung in Einzelsysteme ist oft künstlich.

    2. Kreisläufe statt Ketten
    Wirkung entsteht nicht linear. Wer informiert wird, gibt Wissen weiter. Aus einzelnen Impulsen entwickeln sich Rückkopplungsschleifen, die ganze Systeme in Bewegung bringen können.

    3. Beziehungen statt Einzelinformationen
    Nicht einzelne Fakten, sondern die Beziehungen zwischen ihnen sind entscheidend: Wie wirkt sich Armut auf psychische Gesundheit aus? Welche Verbindung besteht zwischen Bildungszugang und Klimabewusstsein?

    4. Synthese statt Analyse
    Systemisches Denken fragt: Wie geht es dem System insgesamt? Welche Dynamiken zeigen sich? Die Betrachtung des Ganzen rückt in den Vordergrund – nicht die Zerlegung in Teile.


    Was bringt systemisches Denken für Changemaker?

    Systemisches Denken ist kein theoretisches Extra – sondern ein wertvolles Werkzeug für alle, die an nachhaltigem Wandel interessiert sind. Gerade für Changemaker, die sich mitten in komplexen Herausforderungen bewegen, kann diese Denkweise eine enorme Erleichterung sein.

    Sie hilft dabei, den eigenen Fokus zu schärfen und Ressourcen gezielter einzusetzen. Sie ermöglicht, über den Tellerrand hinauszudenken, ohne sich in der Vielfalt zu verlieren. Und sie macht sichtbar, dass viele Herausforderungen gemeinsame Wurzeln haben – und damit auch gemeinsame Lösungsansätze.

    Ich bin nicht allein.
    Ich muss nicht alles lösen.
    Aber ich kann einen echten Unterschied machen – dort, wo mein Handeln Hebelwirkung entfaltet.

    Diese Haltung schafft nicht nur mehr Wirksamkeit – sie entlastet auch. Denn wer systemisch denkt, erkennt seine Rolle im größeren Zusammenhang und kann bewusster entscheiden, wo Engagement am meisten bewirkt.


    Fazit: Systemisches Denken für Changemaker als Schlüsselkompetenz

    Systemisches Denken ist eine zentrale Fähigkeit für die gesellschaftliche Transformation. Es ersetzt nicht das Handeln – aber es macht es intelligenter, vernetzter und langfristig wirksamer.

    In einer Welt voller Komplexität und Unsicherheit brauchen wir Menschen, die das große Ganze sehen – und darin klar und mutig handeln.

    Du möchtest deine eigenen Fähigkeiten im systemischen Denken verbessern?

    Strategien für den Tiefen Wandel

    Reserviere dir jetzt einen Platz im kostenlosen Workshop Anfang Mai und lerne Werkzeuge des systemischen Denkens kennen – und wie sie dir helfen können, deine Wirkung zu vervielfachen.

  • Ganzheitliche Mitarbeiterschulungen für Nachhaltigkeit: Der Schlüssel zu einer regenerativen Zukunft

    Ganzheitliche Mitarbeiterschulungen für Nachhaltigkeit: Der Schlüssel zu einer regenerativen Zukunft

    Warum der Wandel in den Köpfen und Herzen beginnt

    Technologien und CO₂-Messungen allein werden die Welt nicht verändern.
    Was wir wirklich brauchen, sind Menschen, die bewusst, systemisch und empathisch handeln – im Alltag, im Unternehmen und in der Gesellschaft.

    Ganzheitliche Mitarbeiterschulungen sind der Schlüssel dazu.


    Die Herausforderungen sind systemisch – die Lösungen auch

    Eine ausführliche Studie von Simon Michaux zeigt:
    Um vollständig auf nachhaltige Energie umzusteigen, bräuchte es weltweit zusätzlich(!):

    74 628 Bioenergiewerke
    604 Geothermische bzw. Wellenkraftwerke
    69573 Solarkrafte
    63445 Windräder
    12504 Wasserkraftwerke
    834 Atomkraftwerke

    Also insgesamt über 200.000 neue Kraftwerke verschiedener Art im nächsten Jahrzehnt. Selbst bei politischen Willen und Finanzierbarkeit: Es fehlen schlicht die Metalle und seltenen Erden, um das alles zu bauen oder die Täler für die Wasserkraftwerke!

    Das bedeutet: Technik allein reicht nicht.
    Wir brauchen einen kulturellen Wandel. Einen Wandel hin zu einem neuen gesellschaftlichen Vertrag dazu, wie wir mit begrenzten Ressourcen umgehen, wo wir welche haben. Und dafür brauchen wir Menschen mit den richtigen Kompetenzen.

    Welche Kompetenzen braucht es für eine regenerative Zukunft?

    Um im Alltag – beruflich wie privat – regenerative Entscheidungen treffen zu können, braucht es bestimmte innere Kompetenzen. Ganzheitliche Mitarbeiterschulungen für Nachhaltigkeit zielen daher nicht nur auf Fakten, sondern auf die Entwicklung innerer Fähigkeiten. Basierend auf den Inner Development Goals – in einer Sprache, die zu unserem Arbeitsalltag passt – lassen sich fünf zentrale Kompetenzfelder benennen:

    Selbst-Bewusstsein

    Die Fähigkeit zur Selbstreflexion, emotionale Kompetenz und ein innerer Kompass sind die Grundlage für bewusstes, verantwortungsvolles Handeln. Wer sich selbst kennt, mit den eigenen Emotionen umgehen kann und eine klare innere Orientierung hat, trifft Entscheidungen mit mehr Klarheit und Verbundenheit.

    Systemisches Bewusstsein

    Die Fähigkeit, sich als Teil von größeren Systemen wahrzunehmen – sei es im Unternehmen, im lokalen Ökosystem oder im gesellschaftlichen Zusammenhang – ist entscheidend. Dazu gehört sowohl systemisches Denken, kritisches Denken als auch das Verstehen naturwissenschaftlicher Fakten. Wichtig ist dabei, diese Informationen nicht nur rational zu erfassen, sondern sinnerfüllt in den eigenen Alltag zu integrieren.

    Beziehungsbewusstsein

    Die Fähigkeit, sich emotional, mit Mitgefühl und einem Sinn für Verbundenheit der Welt zuzuwenden – nicht nur als intellektueller Akt, sondern als tiefes Gefühl. Wer diese Verbundenheit wirklich spürt, entwickelt den inneren Wunsch, Beziehungen – zu Menschen wie zur Natur – aktiv und positiv zu gestalten.

    Soziales Bewusstsein

    Kooperation, Kommunikation und die Fähigkeit, im Miteinander tragfähige Lösungen zu entwickeln, sind essenziell. Denn regenerative Entwicklung ist kein Einzelprojekt – sie entsteht durch gemeinsame Gestaltung im beruflichen wie privaten Alltag.

    Handlungsbewusstsein

    Der Mut und die Verantwortung, regenerative Entscheidungen auch wirklich umzusetzen. Gerade in komplexen, unsicheren Situationen braucht es Menschen, die bereit sind, Schritte zu gehen – auch wenn der Weg nicht immer klar vorgezeichnet ist

    Wie können ganzheitliche Mitarbeiterschulungen diese Kompetenzen stärken?

    Ganzheitliche Mitarbeiterschulungen für Nachhaltigkeit und regenerative Entwicklung schaffen Erfahrungsräume, in denen Lernen mehr bedeutet als Informationsaufnahme.
    Hier geht es darum, Beziehungen zu sich selbst, zu anderen und zur Welt bewusst zu gestalten – und daraus nachhaltige Handlungskompetenz zu entwickeln.

    Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf dem Aufbau von systemischem Bewusstsein. Doch alle fünf Kompetenzfelder wirken zusammen und sind in meinen Formaten miteinander verwoben.

    Zwei Beispiele aus meiner Praxis:

    Simulationen & Reflexionsräume

    In Systemsimulationen erleben Teams unmittelbar, wie ihre Entscheidungen auf komplexe Zusammenhänge wirken – emotional, logisch und sozial.
    Durch das gemeinsame Experimentieren im geschützten Rahmen entsteht nicht nur Erkenntnis, sondern ein tieferes Verständnis für Wechselwirkungen, Verantwortung und Handlungsspielräume.

    Spielerisches Lernen & Kommunikationsräume

    Ob durch interaktive Vermittlung wissenschaftlicher Grundlagen oder gezielte Kommunikationstrainings: In meinen Workshops wird Wissen nicht „vermittelt“, sondern erfahrbar gemacht. Spielerische Methoden, verbunden mit Momenten der geistigen Ruhe und Klarheit, fördern nicht nur Verständnis – sondern auch Präsenz, Dialogfähigkeit und die Bereitschaft, neue Wege zu denken.

    Weitere kraftvolle Lernräume entstehen z. B. in und mit der Natur, durch strategische Tiefenreisen oder kreative Formate, die Kopf, Herz und Hand verbinden.

    Bereit für den nächsten Schritt?

    Ich unterstütze Sie dabei, Ihre Organisation in eine regenerative Lern- und Arbeitskultur zu führen – mit maßgeschneiderten Schulungen, Workshops oder Tiefenreisen.

    Ein möglicher Einstieg:
    Die „Possible World“-Tiefenreise – ein intensives, systemisches Lernformat, das Kopf, Herz und Hand verbindet.

    Oder lassen Sie uns direkt ins Gespräch kommen:

    Gemeinsam entwickeln wir ein individuelles Format für Ihr Unternehmen.

  • Wie gelingt eine Welt ohne Armut?

    Wie gelingt eine Welt ohne Armut?

    Wie gelingt eine Welt ohne Armut?

    Armut ist ein großes Problem. Aber was bedeutet „Armut“ überhaupt? Das ist gar nicht so einfach zu sagen. Es gibt verschiedene Arten von Armut. Man kann zum Beispiel wenig Geld haben (monetäre Armut). Oder man fühlt sich arm, weil andere Menschen mehr haben (relative Armut). Es gibt auch Armut, die nichts mit Geld zu tun hat. Amartya Sen, ein bekannter Denker, hat gesagt: Armut bedeutet auch, nicht die Freiheit zu haben, das eigene Leben selbst zu gestalten.

    Was können wir gegen Armut tun?

    Vor ein paar Jahren habe ich einen Workshop zu dieser Frage geleitet. Zehn Menschen haben sich drei Stunden lang intensiv mit dem Thema beschäftigt. Wir haben ein Werkzeug genutzt, das „Weltsystemmodell“ heißt. Es wurde von Tony Hodgson entwickelt und hilft dabei, große Probleme zu verstehen. Das Modell zeigt, dass alles auf der Welt zusammenhängt: Umwelt, Wirtschaft, Gemeinschaft und vieles mehr.

    Erste Erkenntnisse aus dem Workshop

    In kleinen Gruppen haben wir über die Herausforderungen gesprochen, die Armut verstärken. Dabei wurde schnell klar: Ohne echte Mitbestimmung (zum Beispiel in der Politik) lässt sich Armut nicht beseitigen. Ein Beispiel ist Wasser. Wenn Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, können sie schwer aus der Armut entkommen. Und Wasser hängt wiederum mit Nahrung, Gesundheit und der Natur zusammen.E

    Was passiert, wenn es ein Grundeinkommen gibt?

    Wir haben auch darüber nachgedacht, was passiert, wenn viele Länder ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) einführen. Das würde helfen, einige Probleme zu lösen. Aber es reicht nicht aus. Warum? Weil andere Probleme bestehen bleiben: Zugang zu sauberem Wasser, faire Verteilung von Ressourcen und echte Mitbestimmung der Menschen.

    Ganzheitlicher Wohlstand statt nur „keine Armut“

    Am Ende des Workshops haben wir das Ziel neu formuliert: Es geht nicht nur darum, Armut zu beenden. Wir wollen eine Welt, in der es allen Menschen gut geht – mit Wohlstand, der nicht nur aus Geld besteht. Beispiele für Wohlstand sind:

    • Zeitwohlstand: Genügend Zeit für das, was wichtig ist.
    • Entscheidungsfreiheit: Die Möglichkeit, das eigene Leben zu gestalten.
    • Lebensraum: Sicherer Wohnraum und Zugang zu Ressourcen wie Wasser und Nahrung.

    Lösungen für eine Welt ohne Armut

    Der Workshop hat gezeigt: Es gibt keine einfache Lösung. Aber es gibt Ansätze, die helfen können:

    1. Wasser als Gemeingut verwalten → Wenn Wasser lokal und gemeinsam verwaltet wird, profitieren viele Menschen davon. Sauberes Wasser führt zu besserer Gesundheit, stabileren Gemeinschaften und mehr Wohlstand.
    2. Gemeinschaftswohnprojekte → In solchen Projekten leben Menschen zusammen und teilen Ressourcen wie Wohnraum und Lebensmittel. Das schafft Zusammenhalt und hilft, Kosten zu senken.
    3. Neue Geldmodelle → Wir müssen das Finanzsystem überdenken. Ein Beispiel ist das Gradido-Spiel, bei dem Menschen lernen, wie ein anderes Geldsystem funktionieren könnte.
    4. Schuldenschnitt und Vermögensobergrenzen → Ein globaler Schuldenschnitt könnte Länder entlasten. Vermögensobergrenzen würden helfen, Ressourcen gerechter zu verteilen.

    Was können wir tun?

    Wenn wir eine Welt ohne Armut möchten, müssen wir aktiv werden. Fangen wir im Kleinen an: Tauschen wir uns mit anderen aus, lernen wir von erfolgreichen Gemeinschaftsprojekten, und überlegen wir, was in unserem Umfeld möglich ist.

    Wenn auch du mit deiner Organisation an einer besseren Welt arbeitest, schau dir mein Angebot Strategien für Changemaker an. Für alle zugänglich ist mein Angebot der „Possible Worlds“-Session können wir zusammen tiefer in die Frage eintauchen: Wie können wir den Wandel gestalten?

    Eine Welt ohne Armut ist möglich – wenn wir unsere Perspektive auf die Welt verändern und gemeinsam handeln.