Kategorie: Komplexe Probleme verstehen

  • Systemisches Denken für Changemaker | Ganzheitlich wirksam handeln

    Systemisches Denken für Changemaker | Ganzheitlich wirksam handeln

    Der Blick fürs große Ganze

    Viele Menschen, die sich sozial engagieren, starten mit einem klaren Anliegen. Ein Thema, das sie bewegt. Ein Problem, das sie angehen wollen. Doch je tiefer sie einsteigen, desto deutlicher wird: Es bleibt nicht bei diesem einen Problem. Alles hängt miteinander zusammen. Systemisches Denken für Changemaker hilf Sinn in diese Durcheinander zu bringen.

    Wer sich zum Beispiel für den Erhalt der Artenvielfalt engagiert, stößt schnell auf den Klimawandel. Der wiederum ist eng verknüpft mit Wasserkreisläufen, die durch Bebauung und Infrastrukturprojekte gefährdet werden. Diese wiederum stehen in Zusammenhang mit Tourismus, Wirtschaftspolitik und globalen Konsumgewohnheiten. Die Verflechtungen nehmen zu, je tiefer man blickt.

    Die Folge: Überforderung. Orientierungslosigkeit. Verzettelung.

    Doch es gibt eine Denkweise, die in dieser Komplexität nicht verloren geht, sondern darin Orientierung findet: systemisches Denken.


    Warum systemisches Denken heute so wichtig ist

    Systemisches Denken bedeutet, Zusammenhänge zu erkennen, Muster zu verstehen und den Blick auf das Ganze zu richten. Es geht nicht darum, alles zu vereinfachen – sondern darum, die richtige Komplexität zuzulassen, um klügere Entscheidungen zu treffen.

    Ein kraftvoller Rahmen hierfür ist das Projekt The Wicked7. Es identifiziert sieben grundlegende, miteinander verflochtene Problemfelder, die in vielen gesellschaftlichen Herausforderungen mitwirken:

    1. Das Sterben der Natur
    2. Ungleichheit
    3. Hass und Konflikte
    4. Machtmissbrauch und Korruption
    5. Arbeit und Technologie
    6. Gesundheit und Lebensgrundlagen
    7. Bevölkerung und Migration

    Diese Probleme sind nicht unabhängig voneinander – sie bedingen sich gegenseitig. Wer sich einem dieser Felder widmet, trifft fast immer auch auf die anderen. Und genau deshalb ist systemisches Denken so essenziell.


    Wie unterscheidet sich systemisches Denken vom klassischen Denken?

    In klassischen Problemlösungsansätzen verläuft die Logik meist linear: Ein Problem wird identifiziert, eine Ursache benannt, eine Lösung entwickelt. Doch bei komplexen sozialen und ökologischen Herausforderungen reicht das nicht aus. Hier ist eine andere Denkweise gefragt.

    Systemisches Denken unterscheidet sich vor allem in vier zentralen Punkten:

    1. Emergenz statt Silodenken
    Systeme entwickeln sich gemeinsam. Ein Bildungssystem beeinflusst ein Wirtschaftssystem. Eine Gesundheitskrise wirkt sich auf politische Stabilität aus. Die Trennung in Einzelsysteme ist oft künstlich.

    2. Kreisläufe statt Ketten
    Wirkung entsteht nicht linear. Wer informiert wird, gibt Wissen weiter. Aus einzelnen Impulsen entwickeln sich Rückkopplungsschleifen, die ganze Systeme in Bewegung bringen können.

    3. Beziehungen statt Einzelinformationen
    Nicht einzelne Fakten, sondern die Beziehungen zwischen ihnen sind entscheidend: Wie wirkt sich Armut auf psychische Gesundheit aus? Welche Verbindung besteht zwischen Bildungszugang und Klimabewusstsein?

    4. Synthese statt Analyse
    Systemisches Denken fragt: Wie geht es dem System insgesamt? Welche Dynamiken zeigen sich? Die Betrachtung des Ganzen rückt in den Vordergrund – nicht die Zerlegung in Teile.


    Was bringt systemisches Denken für Changemaker?

    Systemisches Denken ist kein theoretisches Extra – sondern ein wertvolles Werkzeug für alle, die an nachhaltigem Wandel interessiert sind. Gerade für Changemaker, die sich mitten in komplexen Herausforderungen bewegen, kann diese Denkweise eine enorme Erleichterung sein.

    Sie hilft dabei, den eigenen Fokus zu schärfen und Ressourcen gezielter einzusetzen. Sie ermöglicht, über den Tellerrand hinauszudenken, ohne sich in der Vielfalt zu verlieren. Und sie macht sichtbar, dass viele Herausforderungen gemeinsame Wurzeln haben – und damit auch gemeinsame Lösungsansätze.

    Ich bin nicht allein.
    Ich muss nicht alles lösen.
    Aber ich kann einen echten Unterschied machen – dort, wo mein Handeln Hebelwirkung entfaltet.

    Diese Haltung schafft nicht nur mehr Wirksamkeit – sie entlastet auch. Denn wer systemisch denkt, erkennt seine Rolle im größeren Zusammenhang und kann bewusster entscheiden, wo Engagement am meisten bewirkt.


    Fazit: Systemisches Denken für Changemaker als Schlüsselkompetenz

    Systemisches Denken ist eine zentrale Fähigkeit für die gesellschaftliche Transformation. Es ersetzt nicht das Handeln – aber es macht es intelligenter, vernetzter und langfristig wirksamer.

    In einer Welt voller Komplexität und Unsicherheit brauchen wir Menschen, die das große Ganze sehen – und darin klar und mutig handeln.

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  • Wie gelingt eine Welt ohne Armut?

    Wie gelingt eine Welt ohne Armut?

    Wie gelingt eine Welt ohne Armut?

    Armut ist ein großes Problem. Aber was bedeutet „Armut“ überhaupt? Das ist gar nicht so einfach zu sagen. Es gibt verschiedene Arten von Armut. Man kann zum Beispiel wenig Geld haben (monetäre Armut). Oder man fühlt sich arm, weil andere Menschen mehr haben (relative Armut). Es gibt auch Armut, die nichts mit Geld zu tun hat. Amartya Sen, ein bekannter Denker, hat gesagt: Armut bedeutet auch, nicht die Freiheit zu haben, das eigene Leben selbst zu gestalten.

    Was können wir gegen Armut tun?

    Vor ein paar Jahren habe ich einen Workshop zu dieser Frage geleitet. Zehn Menschen haben sich drei Stunden lang intensiv mit dem Thema beschäftigt. Wir haben ein Werkzeug genutzt, das „Weltsystemmodell“ heißt. Es wurde von Tony Hodgson entwickelt und hilft dabei, große Probleme zu verstehen. Das Modell zeigt, dass alles auf der Welt zusammenhängt: Umwelt, Wirtschaft, Gemeinschaft und vieles mehr.

    Erste Erkenntnisse aus dem Workshop

    In kleinen Gruppen haben wir über die Herausforderungen gesprochen, die Armut verstärken. Dabei wurde schnell klar: Ohne echte Mitbestimmung (zum Beispiel in der Politik) lässt sich Armut nicht beseitigen. Ein Beispiel ist Wasser. Wenn Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, können sie schwer aus der Armut entkommen. Und Wasser hängt wiederum mit Nahrung, Gesundheit und der Natur zusammen.E

    Was passiert, wenn es ein Grundeinkommen gibt?

    Wir haben auch darüber nachgedacht, was passiert, wenn viele Länder ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) einführen. Das würde helfen, einige Probleme zu lösen. Aber es reicht nicht aus. Warum? Weil andere Probleme bestehen bleiben: Zugang zu sauberem Wasser, faire Verteilung von Ressourcen und echte Mitbestimmung der Menschen.

    Ganzheitlicher Wohlstand statt nur „keine Armut“

    Am Ende des Workshops haben wir das Ziel neu formuliert: Es geht nicht nur darum, Armut zu beenden. Wir wollen eine Welt, in der es allen Menschen gut geht – mit Wohlstand, der nicht nur aus Geld besteht. Beispiele für Wohlstand sind:

    • Zeitwohlstand: Genügend Zeit für das, was wichtig ist.
    • Entscheidungsfreiheit: Die Möglichkeit, das eigene Leben zu gestalten.
    • Lebensraum: Sicherer Wohnraum und Zugang zu Ressourcen wie Wasser und Nahrung.

    Lösungen für eine Welt ohne Armut

    Der Workshop hat gezeigt: Es gibt keine einfache Lösung. Aber es gibt Ansätze, die helfen können:

    1. Wasser als Gemeingut verwalten → Wenn Wasser lokal und gemeinsam verwaltet wird, profitieren viele Menschen davon. Sauberes Wasser führt zu besserer Gesundheit, stabileren Gemeinschaften und mehr Wohlstand.
    2. Gemeinschaftswohnprojekte → In solchen Projekten leben Menschen zusammen und teilen Ressourcen wie Wohnraum und Lebensmittel. Das schafft Zusammenhalt und hilft, Kosten zu senken.
    3. Neue Geldmodelle → Wir müssen das Finanzsystem überdenken. Ein Beispiel ist das Gradido-Spiel, bei dem Menschen lernen, wie ein anderes Geldsystem funktionieren könnte.
    4. Schuldenschnitt und Vermögensobergrenzen → Ein globaler Schuldenschnitt könnte Länder entlasten. Vermögensobergrenzen würden helfen, Ressourcen gerechter zu verteilen.

    Was können wir tun?

    Wenn wir eine Welt ohne Armut möchten, müssen wir aktiv werden. Fangen wir im Kleinen an: Tauschen wir uns mit anderen aus, lernen wir von erfolgreichen Gemeinschaftsprojekten, und überlegen wir, was in unserem Umfeld möglich ist.

    Wenn auch du mit deiner Organisation an einer besseren Welt arbeitest, schau dir mein Angebot Strategien für Changemaker an. Für alle zugänglich ist mein Angebot der „Possible Worlds“-Session können wir zusammen tiefer in die Frage eintauchen: Wie können wir den Wandel gestalten?

    Eine Welt ohne Armut ist möglich – wenn wir unsere Perspektive auf die Welt verändern und gemeinsam handeln.